Die Schweizer Woche ist nicht nur im Mc Donald's vorbei, auch die Rennen von Veysonnaz sind Geschichte. Meine Resultate werden aber wahrscheinlich nicht auf dem Dorfplatz in den Hinkelstein gemeisselt, denn es hat nicht für zwei zweistellige Ziffern Platz, da der Walliser Obelix nicht so stark war wie sein gallisches Pendant...
Ja, einige von Euch werden sich wahrscheinlich fragen, wie diese Pfeife nach dem wirklich nicht lustigen 28. und dem fast schon traurigen 47. Rang noch den Mut aufbringen kann, etwas humorvolles zu schreiben. Deshalb hier einige kurze Erklärungsversuche, in welchen ich ein wenig weiter ausholen möchte:
Boardercross ist eine schnelle Sportart. Entgegen Fussball, Eishockey, Handball, Tennis und anderen Sportarten ist ein Fehler schon ein Genickschuss. Ein Fehler ist einer zu viel. Man hat weder 10 andere Kollegen rumstehen, die einem aus der Patsche helfen könnten, noch 3 weitere Games bis zur Entscheidung vor sich. Man wird vom Instinkt geleitet, zu welcher Zeit und an welchem Ort man am besten zum Überholmanöver ausholt. Doch ist der Entschluss mal gefasst, ist er vielleicht schon wieder falsch, wenn sich der Vordermann genau in diesem Augenblick entschliesst, auch in die anvisierte Lücke zu fahren. Es gehört also zur absoluten Überzeugung noch ein quäntchen Glück dazu, damit das Manöver auch erfolgreich abgeschlossen werden kann. Nun aber Entwarnung für alle: Dies sollte nicht eine Auflistung von Ausreden sein, sondern eher die Spannung und den Reiz meines Sportes aufzeigen. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden mit der letzten Woche, denn ich konnte mit den Besten mithalten, wenn auch die Torflaggen für mich einige Millimeter zu weit nach links gesetzt waren. Mein Selbstvertrauen ist schon wieder viel intakter als nach dem frustrierenden Weltcup in Telluride. Ich schaue nach vorne und hoffe, dass ich innert nützlicher Frist mal einen Tag einziehen darf, an dem alles so klappt, wie ich mir das immer wünsche :)
Diese Bild ist repräsentativ für mich: Ich verstecke mich gerne hinter den Anderen :) Das muss noch besser werden!
Einen speziellen Dank möchte ich an dieser Stelle auch noch Fredy und Doris Furrer aussprechen, die am 100er-Club-Fest den Hauptpreis, einen Tag im Schnee mit mir, gewonnen haben. Sie waren als Unterstützung und wahre Angliker Nachbarn am Streckenrand hautnah dabei, auch wenn ich nur einmal vorbeifahren durfte.
Jetzt ruhe ich mich erst mal ein, zwei Tage aus, bevor's Ende Woche wieder auf Neuschneejagd geht, gefolgt von einem Training in Veysonnaz und den Nordamerika-Wochen im Februar. Bis dann mal eine schöne Zeit und bis zum nächsten Mal...
Fabio
Auf dem Weg der Besserung
Freitag, den 20. Januar 2012 um 08:42 Uhr
Gestern fand nun das erste wirkliche Rennen statt. Ich durfte nach meiner Schlappe in den USA wieder mal in den Finals starten und wollte mich auf heimischem Boden natürlich bewähren. Nun, meine sonst so bekannte Nervosität hielt sich in Grenzen und ich war froh, wieder mal zu sechst eine enge Piste hinunter zu brettern. So sah es kurz vor dem Start aus:
Als dann die Klappe endlich aufging, reagierte ich ganz anständig. Der Norweger Stian Sivertzen mit seinen Zweimeter-Armen kam noch ein wenig besser raus und so reihte ich mich hinter ihm ein und probierte im Windschatten näher zu kommen. Aber da wir nicht nur zu zweit waren, hatten auch die anderen Interesse daran, irgendwo zwischen dem Ersten und dem Dritten ins Ziel zu kommen. Die Schlacht wurde ab der Hälfte der Strecke so richtig lanciert. Unter, neben und über mir tauchten immer wieder die Bretter der Anderen auf, zwischenzeitlich war ich gleichauf mit dem Ersten, dann wieder Dritter, Zweiter und so weiter. In der letzten Kurve wurde ich zwischen einem Österreicher und einem Russen in die Mangel genommen, was mich schlussendlich das Erreichen der nächsten Runde kostete. Vierter Platz, knapp ausgeschieden, 28. Schlussrang, trotzdem zufrieden. Es war von oben bis unten extrem spannend, es gab so viele Führungswechsel und machte Spass. Ich freue mich natürlich auf's Wochenende und hoffe, dass ich mich wieder ein wenig verbessern kann.
Das Rennen wird wieder auf TSR2 ausgetrahlt, diesmal aber mit einer Verzögerung von zwei Stunden um 14:30 Uhr...
Bis dann
Fabio
Weltcup in Veysonnaz
Dienstag, den 17. Januar 2012 um 15:02 Uhr
Wir sind gestern in Veysonnaz angekommen, um die Boardercross-Woche in der Schweiz in Angriff zu nehmen. Der Kurs ist so gebaut, dass man es auf jeden Fall nicht langsam angehen kann. Nach 4 Sekunden Fahrzeit verbringt man die nächsten 1.5 Sekunden schon mal in der Luft, danach geht's ordentlich den Hang runter, innert kürzester Zeit hätte man ausserorts eine Busse, weil man doch locker über 80km/h drauf hat. Zur Veranschaulichung hier ein kleines Video zum Thema:
Morgen steht die Quali an; da es nicht sehr technisch ist, wird das ganze Fahrerfeld ziemlich nahe beieinander liegen. Ich gebe mein Bestes und hoffe auf eine schnelle Zeit!
Am Donnerstag wird auf TSR2 live übertragen, das Finale startet um 12:55 Uhr. Wenn ihr also nichts los habt, einschalten und Daumen drücken. Ansonsten halt den Chef anrufen und krank melden...
Bis bald!
Fabio
Saisonauftakt 2.0
Donnerstag, den 05. Januar 2012 um 14:42 Uhr
Lange ist's her seit dem letzten Eintrag. Ich war ganz und gar nicht untätig, jedoch hat mir Frau Holle so weisse Weihnachten wie seit Jahren nicht mehr beschert. Deshalb war ich nebst Raclette- und Fondue-Pläuschen hart damit beschäftigt, meine Spuren in den frischen Schnee zu schneiden. Und das ist mir während Tagen gelungen...
Wie heisst es so schön? Neues Jahr, neues Glück! Bei mir ist dies auf jeden Fall so. Nicht nur der Pulverschnee hat mich herzlich im neuen Jahr begrüsst, auch das Freiamt steht hinter mir. Bei den Wahlen zum FREIÄMTER SPORTLER DES JAHRES wurde ich sensationell auf den dritten Platz gehievt, obwohl alle anderen SportlerInnen samt und sonders Höchstleistungen erbracht haben. Herzliche Gratulationen an dieser Stelle an Markus Joho und Monika Vogel, die mich noch geschlagen haben und den ersten und zweiten Platz belegen. Dieser dritte Platz bestätigt mir aber, dass meine internationalen Leistungen geschätzt werden und gibt mir Kraft, auch an schlechten Tagen hart zu arbeiten. Vielen Dank!
Zum Weltcup in Amerika möchte ich gar nicht mehr viele Worte verlieren, zu viel ist schief gelaufen und meinen Auftakt in diese Saison habe ich mir komplett anders vorgestellt. Doch das Ganze ist schon so sehr in Vergessenheit geraten, dass ich nicht mehr daran erinnert werden möchte. Aber ein Album mit einigen schönen Fotos hat's trotzdem gegeben, sowie auch ein kurzes Video.
Meine Batterien sind nun wieder voll aufgeladen und die Motivation ist zurück. Ich habe mich nicht den ganzen Sommer im Kraftraum abgerackert, als dass ich nun klein beigeben würde. Die Rennsituation hat sich in den letzten drei Tagen auch noch in eine positive Richtung Entwickelt:
Der Weltcup von Bad Gastein ist wegen Schneemangels abgesagt worden und wird mit einem zweiten Rennen in Veysonnaz ersetzt. Für mich ist das deshalb positiv, weil ich gute Erinnerungen an diesen Schauplatz in der Schweiz habe. 2010 konnte ich mich dort für die Olympischen Winterspiele qualifizieren, in Bad Gastein hingegen habe ich den Cut für das Finale noch die geschafft...
Nach der schönen Weihnachts- und Neujahrspause geht's nun wieder ab ins Schneetraining. Nächste Woche holen wir uns in Nendaz den letzten Schliff für den Doppel-Weltcup. Nach diesen Rennen wären eigentlich die X-Games auf dem Plan gestanden, doch nach der schlechten Vorstellung in Telluride habe ich leider keine Einladung bekommen. Damit ich aber trotzdem nicht aus dem Rhytmus falle, reisen wir zu viert nach Lettland, wo ein Doppel-Europacup stattfindet. Das Skigebiet hat zwar nur 100m (!) Höhendifferenz, doch es wurde mir von anderen Kollegen versichert, dass der Rennkurs einwandfrei sei... Ich lass mich mal überraschen :)
Nun wünsche ich Euch allen einen guten Start ins 2012, es verbleiben ja noch einige Tage bis zum Weltuntergang am 21. Dezember... Also geniesst es in vollen Zügen!